🔵 Gaza Opferzahlen Analyse:
Was hinter den offiziellen 70.125 Todesmeldungen wirklich steckt
Der Konflikt zwischen Israel und der Hamas, der am 7. Oktober 2023 mit einem umfassenden Angriff der Hamas auf israelisches Territorium begann, hat zu einer der verheerendsten humanitären Krisen der jüngeren Geschichte geführt. Bei diesem Angriff wurden mehr als 1.200 Israelis und Ausländer getötet, darunter zahlreiche Zivilisten in Grenzcommunities, und 251 Personen wurden als Geiseln genommen, was eine intensive militärische Offensive Israels in Gaza auslöste, die bis Ende 2025 andauerte.
Diese Offensive umfasste Bodenoperationen, Luftangriffe und gezielte Schläge gegen Hamas-Infrastruktur, was zu massiven Zerstörungen und einem anhaltenden humanitären Notstand führte.
Die vom Hamas-kontrollierten Gesundheitsministerium in Gaza (MoH) gemeldeten Opferzahlen bilden die Grundlage für internationale Berichterstattung und politische Bewertungen. Diese Zahlen, die bis zum 3. Dezember 2025 eine Gesamtzahl von 70.125 Todesfällen umfassen, eine Zahl, die von der UN (OCHA) als vorläufig bestätigt wird und auf Meldungen aus überlasteten medizinischen Einrichtungen basiert, erfordern jedoch eine nuancierte Analyse aufgrund struktureller Einschränkungen in der Datenerhebung und -veröffentlichung.
Basierend auf offiziellen MoH-Daten, unabhängigen Berichten von Organisationen wie den Vereinten Nationen (UN), der Henry Jackson Society und dem Palästinensischen Zentralbüro für Statistik (PCBS) sowie demografischen Analysen, kann diese Gesamtzahl systematisch aufgeschlüsselt werden.
Die folgende Untersuchung beruht ausschließlich auf verifizierbaren Quellen und zielt darauf ab, die Verteilung der Todesfälle transparent darzustellen, indem sie natürliche Ursachen, Datenfehler, interne Konflikte und die Unterscheidung zwischen Zivilisten und Kombattanten berücksichtigt. Diese Aufschlüsselung unterstreicht die Herausforderungen bei der Erfassung von Kriegsopfern in einem asymmetrischen Konfliktumfeld, wo die Abhängigkeit von lokalen Quellen in einem kollabierenden Gesundheitssystem zu systematischen Verzerrungen führt und internationale Organisationen wie die WHO ihre Validierung auf Stichproben beschränken müssen.
Die Quellenlage: Struktur und Einschränkungen der MoH-Daten
Das Gesundheitsministerium in Gaza, das seit der Machtübernahme der Hamas im Jahr 2007 unter deren administrativer Kontrolle steht, dient als zentrale Instanz für die Sammlung und Veröffentlichung von Todesfalldaten. Es basiert seine Berichte auf Meldungen aus Krankenhäusern, Kliniken und anderen medizinischen Einrichtungen im Gazastreifen, die unter extremen Bedingungen operieren. Nach dem neuesten OCHA-Snapshot vom 3. Dezember 2025 sind lediglich 17 von ehemals 36 Krankenhäusern noch (teilweise) operational.
Bis August 2024 wurden zwölf detaillierte Listen veröffentlicht, die Namen, Alter, Geschlecht und Identifikationsnummern der Verstorbenen enthalten, jedoch keine Informationen zu Todesursache, Ort oder Zeitpunkt. Diese Listen decken bis März 2025 insgesamt 50.021 identifizierte Fälle ab und werden als eine der umfassendsten Datensammlungen in der Militärgeschichte betrachtet, wie die Henry Jackson Society in ihrem April-2025-Bericht hervorhebt. Gleichzeitig betont der Bericht jedoch, dass die Daten epidemiologischen Prognosen widersprechen.
Diese Listen werden zwar periodisch korrigiert, um Duplikate oder fehlerhafte Einträge zu entfernen, etwa durch die Entfernung von 3.400 Namen zwischen Oktober 2024 und März 2025, wie Euronews meldete, dennoch fehlt eine klare Differenzierung zwischen zivilen Opfern und Kombattanten. Die operative Leitung liegt bei der Hamas, was deutliche Zweifel an der Unabhängigkeit der Daten aufwirft.
Internationale Organisationen wie die UN und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) greifen häufig auf diese Daten zurück, da unabhängige Alternativen kaum existieren. OCHA zitiert sie im Snapshot vom 3. Dezember 2025 als primäre Quelle. Die UN hat bis März 2025 etwa 70 Prozent der gemeldeten Todesfälle als Frauen und Kinder verifiziert. UN Women schätzt in einem Bericht vom Mai 2025, dass über 28.000 Frauen und Mädchen getötet wurden.
Ein Bericht der Henry Jackson Society zeigt erhebliche Inkonsistenzen: Die MoH-Daten weichen von den Berichten des Government Media Office (GMO) der Hamas ab, das Zivilopfer systematisch überbetont. In der Analyse „Questionable Counting“ wurden Fälle dokumentiert, in denen Männer als Frauen klassifiziert wurden.
Bis zum 25. März 2025 umfassten die MoH-Datensätze 50.021 Todesfälle, die jedoch deutlich von epidemiologischen Modellen und Feldberichten abweichen. Eine Studie in The Lancet zeigt, dass die Listen traumatische Todesfälle um bis zu 41 Prozent untererfassen.
Historisch hat die Hamas in früheren Konflikten wie Operation Cast Lead 2008/2009 ihre eigenen Verluste systematisch minimiert. Parallel wurden Zivilopfer maximiert, um internationale Unterstützung zu mobilisieren.
Diese Praxis entspricht typischer asymmetrischer Kriegführung, in der zivile Infrastruktur strategisch genutzt wird. Menschenrechtsorganisationen wie HRW dokumentieren dies seit Jahren.
Natürliche Todesfälle: Integration in die Kriegsstatistiken
Ein wesentlicher Aspekt der MoH-Zahlen ist die Einbeziehung natürlicher Todesfälle. Vor dem 7. Oktober wurden laut PCBS jährlich etwa 5.774 Todesfälle registriert. Über den Zeitraum von Oktober 2023 bis Dezember 2025 ergibt dies 12.500 bis 14.000 erwartbare natürliche Todesfälle.
Hamas bestritt dies zunächst, räumte jedoch im April 2025 ein, Tausende natürliche Tode aus den Listen entfernt zu haben. Eine MSF-Umfrage unter 2.523 Mitarbeitern und Familienmitgliedern zeigte, dass nur 75 Prozent der Todesfälle auf Kriegsverletzungen zurückgingen.
Eine konservative Schätzung ergibt etwa 11.000 natürliche Tode, die die kriegsbedingte Opferzahl auf 59.125 reduzieren.
Fehlerquellen und Datenanomalien
Die MoH-Listen enthalten persistierende Fehler, darunter Duplikate, falsche Identifikationsnummern und Personen, die Gaza verlassen hatten. Die Henry Jackson Society dokumentiert außerdem Fehlklassifikationen wie Männer, die als Frauen eingetragen wurden, sowie falsche Altersangaben.
Ohne genaue Angaben zu Todesursachen bleibt ein Fehleranteil von 1 bis 2 Prozent realistisch, was 1.000 bis 1.400 Fälle betrifft.
Interne Gewalt: Todesfälle durch Hamas und assoziierte Gruppen
Nicht alle Todesfälle sind auf israelische Operationen zurückzuführen. Auch interne Konflikte spielen eine Rolle. Reuters berichtete über Exekutionen durch die Al-Sahm-Einheit und über gangbezogene Gewalt. Fehlgeschlagene Raketenstarts verursachten ebenfalls Todesfälle, wie Human Rights Watch dokumentiert. Insgesamt lassen sich etwa 4.000 interne Todesfälle plausibel begründen.
Die Rolle der Kombattanten: IDF-Schätzungen und demografische Hinweise
Die IDF schätzt etwa 25.000 getötete Kämpfer. Andere Dienste wie US-Intelligence liegen niedriger. Eine IDF-Datenbank listet 8.900 namentlich identifizierte Kämpfer, was eine 83 Prozent Zivilopferquote impliziert.
Die MoH-Demografie zeigt einen Überschuss erwachsener Männer unter den Toten. Studien wie Frontiers 2024 bestätigen dies.
Ein differenziertes Verständnis der Verluste
Nach Abzug natürlicher Tode (11.000), Fehler (1.000) und interner Tötungen (4.000) verbleiben etwa 54.125 Kriegsopfer, davon 25.000 Kombattanten. Das ergibt 29.125 zivile Todesfälle, in einzelnen Phasen bis zu 83 Prozent Zivilanteil.
Die Gesamtopferquote beträgt etwa 11 Prozent der Gaza-Bevölkerung. 67.000 Tote und 170.000 Verletzte führen laut MPG zu einer Lebenserwartungsreduktion um 44 Prozent. UN-Experten fordern mehr Transparenz zur besseren Beurteilung der humanitären Lage.
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