Palästinensische Bildungsprogramme, Holocaustleugnung und aktuelle Entwicklungen (2000 bis 2025)
Wenn man verstehen will, warum antisemitische Narrative im israelisch-palästinensischen Konflikt bis heute so zäh überleben, muss man nicht nur auf Parolen und Milizen schauen, sondern auch auf das, was als „Normalwissen“ an die nächste Generation weitergegeben wird. Schule, Medien, politische Reden und digitale Propaganda greifen dabei oft ineinander. Und genau deswegen ist die Debatte über palästinensische Lehrpläne und Holocaust-Rhetorik keine Nebensache, sondern ein Kernproblem.
Palästinensische Schulbücher: Was unabhängige Analysen tatsächlich kritisieren
In den letzten Jahren wurden palästinensische Lehrmaterialien immer wieder von externen Stellen untersucht, teils mit sehr unterschiedlichen Tonlagen, aber mit einem wiederkehrenden Befund: Zu oft fehlt eine Bildung, die auf Koexistenz zielt, stattdessen dominiert eine Erzählung von Konflikt als Dauerzustand.
Ein Beispiel ist die NGO IMPACT-se, die Lehrpläne an UNESCO-orientierten Standards misst. In ihrer Auswertung für 2025/2026 wird kritisiert, dass problematische Inhalte nicht nur „Randnotizen“ seien, sondern sich in verschiedenen Klassenstufen und Fächern wiederfänden, inklusive Delegitimierung Israels, Gewaltverherrlichung und antisemitischer Motive. Häufig genannt werden dabei Karten ohne Israel und eine Sprache, die Märtyrertum als Ideal auflädt.
Wichtig ist aber auch der Blick auf die EU-beauftragte Untersuchung durch das Georg-Eckert-Institut. Dort fällt die Bewertung differenzierter aus: Der Bericht betont, dass es keine systematischen direkten Gewaltaufrufe gebe, aber sehr wohl Inhalte, die Gewalt gegen Zivilisten nachträglich legitimieren oder als Teil eines heroischen Narrativs normalisieren. Als Beispiel wird etwa die Verherrlichung von Personen genannt, die mit Anschlägen auf Zivilisten in Verbindung stehen. Das ist nicht „nur Politikunterricht“, das prägt Haltung.
Hinzu kommt die praktische Realität: In Gaza und im Westjordanland spielt auch UNRWA-Schulunterricht eine Rolle. UNRWA arbeitet grundsätzlich mit dem jeweiligen Gastgeber-Curriculum und betont gleichzeitig, man habe Null Toleranz für Diskriminierung und Aufstachelung und überprüfe Material auf Vereinbarkeit mit UN-Werten. Genau hier entsteht der Dauerstreit: Was steht im offiziellen Curriculum, was wird in der Praxis unterrichtet, was wird korrigiert, und was bleibt.
EU, Geld und Druck: Warum „Schulbücher“ plötzlich ein politischer Hebel wurden
Seit dem Krieg ab Oktober 2023 ist der internationale Druck gewachsen, besonders dort, wo Geld fließt. Das Europäische Parlament hat 2025 erneut Resolutionen unterstützt, die EU-Mittel an die Bedingung knüpfen, dass Lehrmaterialien UNESCO-Standards einhalten und antisemitische oder gewaltverherrlichende Inhalte entfernt werden. Die Logik dahinter ist simpel: Wer Frieden will, kann Hassunterricht nicht mitfinanzieren. Kritiker halten dagegen: Bildung zu kürzen könne am Ende die Falschen treffen und Radikalisierung eher fördern, statt sie zu bremsen.
Mahmūd Abbās und Holocaust-Rhetorik: Zwischen Anerkennung und Relativierung
Ein besonders heikler Punkt ist die Holocaust-Kommunikation in Teilen der palästinensischen Politik. Abbās hat über die Jahre widersprüchliche Signale gesendet. 2014 bezeichnete er den Holocaust als „das abscheulichste Verbrechen“ der modernen Geschichte. Gleichzeitig gab es wiederholt Äußerungen, die international als Holocaust-Relativierung oder als antisemitische Stereotypisierung gewertet wurden, etwa wenn die NS-Verfolgung von Juden mit deren angeblicher „sozialer Rolle“ erklärt wurde. 2022 löste zudem der „50 Holocausts“-Vergleich in Berlin massive Empörung aus.
Solche Aussagen sind mehr als nur „diplomatische Ausrutscher“. Sie wirken in die Öffentlichkeit, weil sie ein Denkmuster bedienen: Der Holocaust wird nicht als rassistisches Vernichtungsprojekt verstanden, sondern als politisch erklärbares Ereignis, das man rhetorisch umdeuten kann. Genau diese Umdeutung ist ein klassischer Einstieg in Relativierung und Verschwörungserzählungen.
Hamas, Ideologie und digitale Mobilisierung: Wenn Antisemitismus zur „Pflicht“ erklärt wird
Parallel zur säkularen palästinensischen Politik existiert eine islamistische Strömung, die Antisemitismus nicht nur politisch, sondern religiös auflädt. Die Hamas-Charta von 1988 enthält Passagen, die weltweit als antisemitisch bewertet werden, unter anderem durch die Verwendung eines Hadith, der in apokalyptischer Sprache das Töten von Juden beschreibt. Hamas veröffentlichte 2017 ein politisches Grundsatzpapier, das rhetorisch moderater klingt, aber die Charta von 1988 nicht aufhebt, und in zentralen Punkten die Ablehnung Israels als Staat weiterhin festschreibt.
In der Praxis taucht die alte Radikalität immer wieder offen auf. 2019 sorgte Hamas-Funktionär Fathi Hamad für internationale Schlagzeilen, weil er Palästinenser weltweit aufforderte, Juden überall anzugreifen. Bemerkenswert ist, dass es darauf nicht nur israelische Kritik gab, sondern auch palästinensische Verurteilungen und Proteste, weil solche Aussagen das gesamte palästinensische Anliegen in Richtung Vernichtungsrhetorik ziehen.
Bewertung und Kontext
Der entscheidende Punkt ist: Es gibt keine saubere, durchgehende „Hitler-Linie“ bis heute, die man historisch seriös als direkte ideologische Kette darstellen könnte. Was es aber gibt, ist etwas anderes und mindestens genauso brisant: ein wiederkehrendes Muster der Anschlussfähigkeit. Europäische antisemitische Motive, religiös aufgeladene Judenfeindschaft, anti-zionistische Verschwörungsmythen und der Kult um Gewalt verschmelzen immer wieder zu einer Erzählung, die am Ende eine einfache Botschaft hat: Der Jude ist schuld, und Gewalt wird zur „Notwendigkeit“ erklärt.
Wer das kritisiert, sollte dabei trotzdem sauber bleiben: Palästinensische Gesellschaft ist nicht gleich Hamas, und nicht jeder Lehrer ist ein Ideologe. Aber solange Lehrmaterialien, politische Reden und Predigten zu oft in die gleiche Richtung ziehen, bleibt die Radikalisierung nicht nur ein Sicherheitsproblem, sondern auch ein Bildungsproblem. Und das ist, bitter genug, ein Problem, das 2025 immer noch nicht gelöst ist.
Hitlers Ideologie und die Palästinenser
Die Frage, ob und wie nationalsozialistische Ideologie in palästinensischen Strömungen Spuren hinterlassen hat, ist kompliziert. Wer hier sauber arbeiten will, muss mehrere Ebenen auseinanderhalten, nämlich Kolonialgeschichte, Nationalismus, Religion, Propaganda und später islamistische Ideologie. Gleichzeitig gilt: Palästinensischer Nationalismus ist nicht automatisch Nationalsozialismus, und Kritik an israelischer Politik ist nicht automatisch Antisemitismus. Trotzdem gibt es belegte historische Phasen, in denen Nazi-Propaganda gezielt im arabischsprachigen Raum wirkte, und in denen einzelne Akteure, allen voran Haddsch Amin al-Husaynī, aktiv mit dem NS-Regime kooperierten.
Dieser Text ordnet die wichtigsten Stationen ein, erklärt was belegt ist, was oft behauptet wird, und wo man trennen muss, damit am Ende nicht aus Analyse ein politisches Lagerfeuer wird. Stand: 18. Dezember 2025.
