Schlagwort: Islam und Antisemitismus

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Islam und Judenhass im historischen Kontext – Symbolbild mit arabischen und hebräischen Texten
„Das ist der erste des Tages.“

Islam und Judenhass – Geschichte, Ideologie und Realität im Faktencheck

🔵 Islam und Judenhass – Geschichte, Ideologie und Realität im Faktencheck

„Der Islam und der Hass auf Juden“ existieren nicht als Naturgesetz. In dieser Formulierung steckt bereits ein Missverständnis, das bis heute politische Debatten und öffentliche Wahrnehmung verzerrt. Weder der Islam als Religion noch Muslime als Gemeinschaft tragen einen angeborenen Antisemitismus in sich. Was es jedoch gibt, ist eine lange, komplizierte und historisch gewachsene Gemengelage aus Machtpolitik, religiösen Auslegungen, geopolitischen Umbrüchen und ideologisch aufgeladenen Narrativen, die über Jahrhunderte hinweg bestimmte Feindbilder verstärkt haben.

Um das zu verstehen, lohnt sich ein Blick in die Geschichte. In verschiedenen Epochen wurden religiöse Texte politisch instrumentalisiert, Herrscher bauten ihre Macht durch die Abwertung anderer Gruppen aus und Prediger nutzten die Religion als Werkzeug zur Mobilisierung. Ideologie, Propaganda und selektive Theologie wandelten sich im Laufe der Zeit und füllten genau jene Lücken, in denen politische Interessen nach einfachen Erklärungen suchten.

Durch dieses Zusammenspiel entstand ein historisches Muster, das den Eindruck vermittelt, „Judenfeindschaft“ sei im Islam fest verankert. Das stimmt so nicht. Es ist das Ergebnis von Kontext, Interpretation und Machtlogik, nicht von Naturgesetzen. Genau diesen Unterschied muss man verstehen, wenn man die Gegenwart realistisch einordnen will.

Deshalb schauen wir uns diese Entwicklung jetzt Schritt für Schritt an, ruhig, fundiert und ohne ideologische Scheuklappen, damit klar wird, wie Geschichte, Politik und Religion ineinandergreifen und warum einfache Erklärungen hier niemals ausreichen.

1. Worum es hier geht – und worum nicht

Bevor man überhaupt sinnvoll über das Verhältnis zwischen Islam und Judenfeindschaft sprechen kann, muss man sauber trennen. Ohne diese Grundordnung rutscht jede Diskussion sofort in Pauschalisierungen ab, die weder historisch noch theologisch noch gesellschaftlich haltbar sind.

Islam bezeichnet eine Weltreligion mit einem umfangreichen Korpus an Texten, Rechtstraditionen und theologischen Schulen. Der Islam ist keine einheitliche, monolithische Struktur, sondern ein weit verzweigtes System mit unterschiedlichen Auslegungen, von konservativ über mystisch bis modernistisch. Der Islam an sich hat über Jahrhunderte verschiedene Formen des Umgangs mit jüdischen Gemeinschaften hervorgebracht, von friedlicher Koexistenz über politischen Wettbewerb bis hin zu Konflikten, die erst in bestimmten historischen Lagen eskalierten.

Muslime hingegen sind reale Menschen, geprägt von Kultur, Bildung, sozialem Umfeld und persönlicher Biografie. Sie leben in völlig unterschiedlichen Gesellschaften, von Indonesien über Marokko bis Europa. Muslime sind keine theologische Variable, sondern Individuen. Ihre Haltung zu Juden wird nicht automatisch von religiösen Texten bestimmt, sondern häufig viel stärker von politischer Sozialisation, Medien, Bildungssystemen und gesellschaftlichen Spannungen.

Islamismus schließlich ist etwas völlig anderes. Er ist eine moderne politische Ideologie, entstanden im 20. Jahrhundert, die religiöse Elemente nutzt, um Macht, Kontrolle und gesellschaftliche Mobilisierung zu erzielen. Islamistische Gruppen von den Muslimbrüdern bis Hamas haben gezielt judenfeindliche Narrative in ihre Ideologie eingebaut, oft inspiriert von europäischem Antisemitismus, Nationalsozialismus und revolutionären Bewegungen. Ihr Antisemitismus ist also weniger theologisch als vielmehr politisch motiviert.

Wenn man von „Hass auf Juden“ spricht und all diese Ebenen zusammenkippt, landet man zwangsläufig in verzerrten Bildern und Klischees. Genau das soll hier vermieden werden. Das Ziel ist, klar zu unterscheiden, sauber einzuordnen und belegbare Fakten aufzuzeigen, damit die Diskussion nicht von Vorurteilen, sondern von Verständnis getragen wird.

2. Was sagen die islamischen Quellen wirklich über Juden?

2.1 Grundposition: „Volk der Schrift“

Im Koran werden Juden – ebenso wie Christen – als „Ahl al-Kitab“, also als „Leute der Schrift“ bezeichnet. Diese Bezeichnung ist nicht nebensächlich, sondern ein zentraler theologischer Begriff, der über Jahrhunderte das Verhältnis zwischen Muslimen und jüdischen Gemeinschaften geprägt hat. Der Islam ordnet Juden damit in eine Kategorie ein, die sich klar von Polytheisten oder klassischen „Heiden“ unterscheidet.

Was bedeutet „Volk der Schrift“ konkret?

1. Anerkannte Offenbarung
Der Islam erkennt an, dass Juden eine frühere göttliche Offenbarung besitzen, nämlich die Tora. Auch wenn der Koran behauptet, diese sei im Laufe der Geschichte teilweise verändert worden, bleibt der Kern gültig. Juden gelten daher als Träger einer echten, ursprünglichen Gottesbotschaft.

2. Gemeinsames monotheistisches Fundament
Der Islam sieht sich selbst als Fortsetzung der monotheistischen Tradition, die bei Abraham beginnt. Juden, Christen und Muslime bilden aus Sicht der islamischen Theologie eine religiöse Verwandtschaft mit demselben Ursprung, denselben Prophetenfiguren und demselben Grundprinzip des einen Gottes.

3. Rechtlicher Schutzstatus
Historisch galten Juden – wie Christen – in islamischen Reichen als Schutzgemeinschaft (Dhimmis). Dieser Status war nicht modern und nicht immer fair, aber er zeigt eines eindeutig: Juden wurden nicht als Feinde, sondern als geschützte Minderheit betrachtet, mit religiösen Rechten und der Möglichkeit, ihre Gemeinden autonom zu organisieren.

Was bedeutet das theologisch?

Der Koran beschreibt Juden nicht als „dämonische Gegenspieler“, wie es in späteren politischen Narrativen oft behauptet wurde. Stattdessen sieht die islamische Tradition sie als „verwandte Religionsfamilie“, mit der es theologische Meinungsverschiedenheiten gibt, aber keine metaphysische Feindschaft. In vielen Passagen wird betont, dass Juden und Christen Glaubensgeschwister in derselben monotheistischen Linie sind, auch wenn es Streitpunkte gibt.

Erst spätere politische Entwicklungen – Konflikte, Machtkämpfe, imperiale Politik, koloniale Umbrüche – überlagerten dieses theologische Grundverhältnis mit neuen Feindbildern. Deshalb ist es wichtig, zwischen ursprünglicher Lehre und späterer politischer Ideologie zu unterscheiden.

2.2 Lob, Kritik und der Kontext

Im Koran gibt es unterschiedliche Aussagen über Juden:

Positive und neutrale Passagen:
Würdigung ihrer Propheten, Offenbarung und Geschichte.

Scharfe Kritik:
Richtet sich überwiegend an konkrete Gruppen im 7. Jahrhundert (z. B. Stämme in Medina). Die Mehrheit moderner und viele traditionelle Gelehrte sehen diese Verse als historisch-kontextuell und nicht als zeitlosen Befehl gegen alle Juden. Allerdings lesen klassische und besonders salafistische Exegeten manche Passagen (z. B. Sure 5:64, 9:29-30) als zeitlos gültig gegen Juden als Kollektiv – das ist die Grundlage heutiger islamistischer Instrumentalisierung.

Allgemeine Mahnungen:
Betreffen Juden, Christen und Muslime gleichermaßen.

Das Problem beginnt dort, wo aus konkreten historischen Konflikten ein zeitloses Feindbild gebaut wird. Das ist politische Interpretation – nicht der Text selbst.

2.3 Hadithe und ihre Instrumentalisierung

Wenn es um judenfeindliche Aussagen geht, verweisen islamistische Gruppen und viele antijüdische Polemiker fast reflexartig auf bestimmte Hadithe, also Überlieferungen über Worte und Taten des Propheten Mohammed. Besonders häufig zitiert werden der sogenannte „Stein-und-Baum-Hadith“ (u. a. bei Buchari 2926 und Muslim 2922). Diese Texte stehen tatsächlich in den kanonischen Sammlungen und gelten nach klassischer Hadith-Wissenschaft als sahih, also als formal zuverlässig überliefert.

Doch genau an dieser Stelle beginnt die Verzerrung. Authentisch überliefert heißt nicht automatisch richtig verstanden. Die islamische Tradition kennt eine jahrhundertelange Auslegungskultur, in der Hadithe kontextualisiert, historisch verortet und in ein Gesamtbild islamischer Ethik eingeordnet werden. Viele Gelehrte betonen bis heute, dass solche Überlieferungen nicht als allgemeingültige Feindschaftsgebote zu lesen sind, sondern als zeitgebundene Aussagen in einem spezifischen politischen Umfeld der Spätantike, das von Stammeskriegen und wechselnden Allianzen geprägt war.

Die moderne Interpretation dieser Hadithe als religiöse Aufforderung zu einem endzeitlichen Massenmord an Juden ist daher keine klassische islamische Lehre, sondern eine Erfindung des politischen Islamismus des 20. Jahrhunderts. Gruppen wie die Muslimbrüder, Hamas oder al-Qaida griffen gezielt zu diesen Texten, trennten sie aus ihrem historischen Kontext heraus und verwandelten sie in ein ideologisches Dogma. Ziel war nicht Theologie, sondern Mobilisierung, Feindbildproduktion und politische Legitimation von Gewalt.

Viele renommierte islamische Gelehrte widersprechen dieser Lesart ausdrücklich. Sie argumentieren, dass:

  • Hadithe immer im historischen und rechtlichen Kontext betrachtet werden müssen,
  • der Koran selbst keine endzeitliche Vernichtungsprophezeiung gegenüber Juden enthält,
  • die ethische Grundlinie der islamischen Tradition Schutz, Gerechtigkeit und Koexistenz betont, nicht Vernichtung,
  • und dass die selektive Nutzung solcher Überlieferungen durch Extremisten einen bewussten Missbrauch der klassischen Tradition darstellt.

Islamisten bauen aus einzelnen problematischen Texten ein scheinbar religiöses Feindbild, das mit dem historischen Islam nur begrenzt zu tun hat. Es ist ideologische Instrumentalisierung, nicht der theologische Kern.

3. Juden unter muslimischer Herrschaft: Koexistenz ohne Gleichberechtigung

3.1 Der Dhimmi-Status

Im Mittelalter lebten Juden in den meisten islamischen Reichen als sogenannte Dhimmis, also als „Schutzbefohlene“. Dieser Status war ein rechtlicher Sonderrahmen, der Juden und Christen einen Platz innerhalb der islamischen Gesellschaft gewährte, jedoch ohne politische oder soziale Gleichberechtigung. Der Begriff taucht bereits im frühen islamischen Recht auf und prägte über Jahrhunderte das Verhältnis zwischen Mehrheitsgesellschaft und religiösen Minderheiten.

Was bedeutete der Dhimmi-Status konkret?

1. Religiöse Freiheit, aber mit klaren Grenzen
Juden durften ihre Religion ausüben, Synagogen betreiben und eigene Gemeindestrukturen aufrechterhalten. Gleichzeitig gab es Einschränkungen, etwa beim öffentlichen Auftreten religiöser Symbole oder beim Wiederaufbau zerstörter Gebetshäuser. Die Religionsfreiheit war vorhanden, jedoch nicht gleichwertig.

2. Schutzstatus durch den Herrscher
Als Dhimmis standen Juden unter dem Schutz des islamischen Herrschers. Sie waren nicht vogelfrei, sondern rechtlich abgesichert. Dieser Schutz konnte jedoch brüchig sein und hing stark von der politischen Lage sowie der jeweiligen Herrschaftsdynastie ab.

3. Sondersteuer (Dschizya)
Juden mussten eine zusätzliche Kopfsteuer zahlen, die Dschizya. Sie war einerseits Ausdruck der rechtlichen Unterordnung, andererseits Teil eines historischen Modells, bei dem Minderheiten für ihren Schutz und ihre Autonomie finanziell beitrugen.

4. Politische und soziale Ungleichheit
Juden konnten keine vollwertigen Staatsämter bekleiden und waren in der Rechtsordnung benachteiligt. Ihre Zeugenaussagen hatten oft geringeres Gewicht, und sie unterlagen Kleidungsvorschriften oder sozialen Vorgaben, die ihre Minderheitenrolle sichtbar machten.

Aus heutiger Sicht ist das klar diskriminierend und widerspricht modernen Vorstellungen von Gleichberechtigung. Historisch betrachtet war der Dhimmi-Status jedoch kein Vernichtungsprogramm, sondern ein hierarchisches Koexistenzmodell, das Minderheiten Schutz bot, aber gleichzeitig Unterordnung verlangte.

Dennoch war dieses System keineswegs friedlich oder stabil. Immer wieder kam es zu Diskriminierung, gewaltsamen Ausschreitungen und Pogromen. Beispiele sind:

  • Granada 1066: Massaker an der jüdischen Gemeinde nach politischer Spannungen.
  • Fès 1465: Pogrom im Zuge dynastischer Konflikte.
  • Damaskus 1840: Die „Damaskusaffäre“, ein antisemitischer Ritualmordvorwurf mit europaweiten Folgen.

Der Dhimmi-Status schützte Juden vor systematischer Vernichtung, doch er schuf ein fragiles Gleichgewicht, das jederzeit kippen konnte.

3.2 Phasen relativer Blüte

Trotz dieser Ungleichheit gab es in der islamischen Geschichte lange Phasen bemerkenswerter kultureller, wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Blüte für jüdische Gemeinden. Besonders in Regionen wie Andalusien, Bagdad, Istanbul oder Saloniki konnten Juden hohe gesellschaftliche Positionen erreichen.

In vielen dieser Zentren fungierten Juden als Minister, Hofärzte, Diplomaten, Übersetzer oder Gelehrte. Die berühmte „Schule der Übersetzer“ in Toledo oder die Gelehrtenzirkel in Bagdad belegen eine tiefe intellektuelle Zusammenarbeit zwischen jüdischen und muslimischen Denkern. Maimonides, einer der bedeutendsten jüdischen Philosophen, lebte und wirkte unter islamischer Herrschaft, oft mit großer Wertschätzung seitens muslimischer Herrscher.

Diese historischen Phasen zeigen klar: Ein ewiger, inhärenter Judenhass ist weder aus den Quellen noch aus der Geschichte des Islam abzuleiten. Stattdessen gab es eine dynamische Beziehung zwischen Kooperation, Toleranz, sozialer Durchlässigkeit und gleichzeitig struktureller Ungleichheit.

Das Verhältnis war komplex und schwankte je nach politischer, wirtschaftlicher und kultureller Situation zwischen Blüte, Duldung und Spannungen – aber nie war es ein durchgängiges Feindbild, wie es moderne Ideologien gern behaupten.

4. Der große Bruch: Moderne, Kolonialismus und Nationalismus

4.1 Zerfall des Osmanischen Reiches

Mit dem Untergang des Osmanischen Reiches Anfang des 20. Jahrhunderts zerbricht das politische System, das über Jahrhunderte das Verhältnis zwischen Muslimen und jüdischen Gemeinschaften geregelt hatte. Der Dhimmi-Status, das religiös-rechtliche Ordnungssystem und die traditionelle Rollenverteilung verschwinden. An ihre Stelle treten moderne Konzepte: Kolonialismus, Nationalstaat, ethnische Zugehörigkeit und politische Identität. Genau hier beginnt der tiefgreifende Wandel, der das Verhältnis zwischen Juden und Muslimen bis heute prägt.

Die Region wird nach dem Ersten Weltkrieg in Mandatsgebiete aufgeteilt. Britische und französische Kolonialmächte ziehen neue Grenzen und verfolgen eigene geopolitische Interessen. Parallel dazu setzen neue gesellschaftliche Kräfte ein:

  • Arabischer Nationalismus, der eine politische Einheit der arabischen Völker fordert,
  • jüdische Einwanderung nach Palästina im Rahmen des Zionismus,
  • Zusammenbruch traditioneller Rechts- und Sozialstrukturen.

Das vormals religiös begründete Verhältnis zwischen Juden und Muslimen wandelt sich zu einer politischen Auseinandersetzung um Territorium, Identität und Selbstbestimmung. Alte religiöse Kategorien werden von neuen politischen Realitäten überlagert. Aus dem früheren, hierarchischen Koexistenzmodell wird ein nationaler Konflikt mit wechselseitiger Mobilisierung.

4.2 Zionismus und arabischer Nationalismus

Der Zionismus entsteht Ende des 19. Jahrhunderts in Europa. Er ist eine direkte Antwort auf anhaltenden und eskalierenden Antisemitismus, Pogrome in Osteuropa und politische Ausgrenzung. Juden fordern einen sicheren Staat, in dem sie selbstbestimmt leben können. Palästina wird zum Zentrum der Hoffnung und zur politischen Zielregion.

Parallel formiert sich der arabische Nationalismus, ebenfalls als Reaktion auf Fremdherrschaft, Kolonialismus und das Ende des osmanischen Machtgefüges. Arabische Intellektuelle und politische Führer entwickeln eine Vision eines gemeinsamen arabischen Staates oder zumindest einer gemeinsamen Identität, die sich gegen europäische Einflüsse behaupten soll.

Damit treffen zwei Bewegungen aufeinander, die beide auf kollektive Selbstbestimmung abzielen, jedoch ein und dasselbe Territorium beanspruchen. Aus einem religiös eingebetteten Verhältnis wird ein national-territorialer Konflikt. Die religiöse Ebene tritt in den Hintergrund, bleibt jedoch als identitätsstiftendes Element erhalten.

Bereits in den 1920er und 1930er Jahren kommt es zu Gewalt, Boykotten und politischer Propaganda auf beiden Seiten. Der Mufti von Jerusalem instrumentalisiert islamische Begriffe für politische Zwecke, zionistische Milizen entwickeln eigene Gegenstrategien. Die wechselseitigen Feindbilder verdichten sich.

Ab diesem Zeitpunkt entstehen die Konfliktlinien, die wir bis heute kennen. Die Grundlage ist nicht ein religiöses Gebot, sondern eine Verflechtung aus Nationalismus, Kolonialgeschichte, politischen Strategien und kollektiven Traumata. Antisemitismus wird ab den 1930er Jahren zunehmend auch in der arabischen Welt sichtbar, oft importiert aus Europa, manchmal religiös neu kontextualisiert, aber nie der ursprüngliche Kern des islamischen Denkens.

5. Nazi-Propaganda im Nahen Osten – der Giftcocktail

5.1 Der Mufti von Jerusalem und Hitler

Haj Amin al-Husseini, der damalige Großmufti von Jerusalem, spielte in den 1930er und 1940er Jahren eine zentrale Rolle bei der Verbreitung nationalsozialistischer Ideologie im arabischen Raum. Seine politische Agenda überschritt weit die Grenzen religiöser Autorität. Er nutzte seine Stellung, um eine neue Form politisch aufgeladener Judenfeindschaft in der arabischen Welt zu verankern, die nicht aus islamischer Tradition stammte, sondern aus dem europäischen Rechtsextremismus übernommen wurde.

1. Übersetzungen und Verbreitung von „Mein Kampf“
Unter al-Husseinis Einfluss wurden zentrale Passagen aus Hitlers „Mein Kampf“ ins Arabische übertragen und verbreitet. Diese Texte enthielten die Kernnarrative des nationalsozialistischen Antisemitismus und prägten erstmals politische Debatten in der Region. Historische Quellen belegen, dass al-Husseini die Publikationen aktiv unterstützte, um Hitlers Feindbildlogik in der arabischen Öffentlichkeit zu verankern.

2. Antisemitische Radiosendungen aus Berlin
Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete al-Husseini mit der NS-Propagandaabteilung zusammen. Er produzierte antisemitische Radiosendungen, die aus Berlin live in den Nahen Osten übertragen wurden. Darin übernahm er die Sprache der nationalsozialistischen Vernichtungspropaganda und verband sie mit politischen Botschaften gegen jüdische Einwanderung, britische Mandatsmacht und regionale Rivalen. Diese Sendungen erreichten ein Millionenpublikum und gelten als zentraler Baustein zur Verbreitung radikalisierter Judenfeindschaft in der arabischen Welt.

3. Übernahme europäischer Verschwörungs- und Vernichtungsnarrative
Al-Husseini integrierte klassische europäische Antisemitismusmuster in seine politische Rhetorik. Dazu gehörten Verschwörungsmythen über jüdische Weltbeherrschung, pseudowissenschaftliche Rassetheorien und Behauptungen eines existenziellen „Kampfes“ gegen das Judentum. Diese Ideen stammten nicht aus islamischer Tradition, sondern aus dem ideologischen Arsenal des Nationalsozialismus. Durch seine Position als religiöse Autorität erhielten diese importierten Konzepte jedoch einen Anschein islamischer Legitimität, obwohl sie theologisch nicht begründet waren.

Wirkung und historische Einordnung

Husseini repräsentierte keineswegs die Haltung aller Araber oder Muslime seiner Zeit. Er war ein politischer Akteur, der Religion instrumentalisierte, nicht ein theologischer Reformer. Dennoch hatte seine Propaganda weitreichende Langzeitfolgen. Viele der von ihm verbreiteten Erzählungen wurden später von nationalistischen Bewegungen, Islamisten und antizionistischen Ideologen übernommen und verfestigten sich in Teilen der politischen Kultur des Nahen Ostens.

Damit wurde nicht der Islam antisemitisch, sondern Hitlers Antisemitismus arabisiert. Die Feindbilder, die Husseini verbreitete, sind historisch dokumentierte Übernahmen europäischer Ideologie und keine Fortführung innerislamischer Tradition. Sie markieren einen der zentralen Wendepunkte, an denen moderne arabische Judenfeindschaft ideologisch aufgeladen und politisiert wurde.

5.2 Schulbücher und Staatsmedien

Nach dem Zweiten Weltkrieg und besonders nach der Gründung Israels im Jahr 1948 übernahmen viele arabische Staaten antisemitische Narrative in Schulbüchern, staatlicher Medienkommunikation und religiösen Predigten. Diese Entwicklung hatte weniger mit der religiösen Tradition des Islam zu tun als mit politischen Konflikten, Nationalismus und der Suche nach einfachen Feindbildern in einer Phase massiver gesellschaftlicher Umbrüche.

Schulbücher, in mehreren arabischen Ländern wurden nach 1945 Inhalte in Lehrpläne aufgenommen, die:

  • Juden kollektiv als Gegner darstellen,
  • den Konflikt mit Israel als religiösen Dauerkrieg deuten,
  • europäische Verschwörungsmythen wiederholen,
  • historische Darstellungen verzerren oder zentralen Kontext auslassen.

Studien von internationalen Bildungsforschern – etwa von IMPACT-se oder UNESCO-Berichten – zeigen, dass solche Inhalte in einigen Regionen bis heute vorkommen. Ganze Schülergenerationen wuchsen dadurch mit einem Feindbild auf, das nicht aus religiöser Lehre abgeleitet war, sondern aus politischen Interessen und staatlicher Agenda.

Staatsmedien
In Rundfunk, Zeitungen und politischer Propaganda wurden nach 1945 häufig dieselben Narrative reproduziert. Besonders in Zeiten von Kriegen oder innenpolitischen Krisen wurden Juden bzw. „Zionisten“ als:

  • kollektive Verschwörer,
  • ewige Feinde der arabischen Welt,
  • verantwortlich für wirtschaftliche oder soziale Missstände

dargestellt. Diese Darstellung war politisch motiviert und sollte Mobilisierung, Loyalität und nationale Geschlossenheit erzeugen.

Moscheepredigten
Auch religiöse Institutionen wurden staatlich gelenkt oder beeinflusst. In einigen Ländern übernahmen Prediger politische Feindbilder und vermischten sie mit religiöser Sprache. Nicht selten wurden einzelne problematische Hadithe ohne Kontext zitiert, um moderne politische Konflikte zu legitimieren.

Langfristige Wirkung

Diese Mischung aus Lehrmaterial, politischer Propaganda und religiöser Rhetorik formte über Jahrzehnte ein kulturelles Unterbewusstsein, in dem Judenfeindschaft als politischer Reflex erlernt wurde. Es handelte sich jedoch nicht um eine theologische Entwicklung, sondern um staatlich gesteuerte Sozialisation in Zeiten von Kriegen, Instabilität und nationaler Identitätssuche.

Damit wurde die Wahrnehmung nicht durch den Islam geprägt, sondern durch politische Erziehungssysteme, die Hitlers und Europas Antisemitismus weitertrugen. Die Religion diente dabei häufig nur als sprachlicher Rahmen, nicht als Ursprung.

6. 1948 und danach: Israel als Projektionsfläche

6.1 Staatsgründung und Kriege

Die Gründung Israels 1948, die arabischen Kriegsniederlagen und die palästinensische Fluchtbewegung (Nakba) erzeugen kollektive Traumata. Viele arabische Regierungen schieben die Verantwortung nach außen und machen „die Juden“ zum Sündenbock.

6.2 Vom Antizionismus zum Antisemitismus

Offiziell wird häufig betont: „Wir sind nicht gegen Juden, wir sind nur gegen den Staat Israel.“ Dieser Satz taucht in politischen Reden, Pro-Palästina-Demonstrationen und Debatten rund um den Nahostkonflikt immer wieder auf. Er klingt moderat und differenziert, doch die gesellschaftliche Realität zeigt ein ganz anderes Bild. Die Feindseligkeit richtet sich längst nicht mehr nur gegen eine Regierung oder eine politische Entscheidung, sondern gegen jüdische Menschen als solche.

Wenn weltweit Synagogen beschmiert, Davidsterne an Häuser jüdischer Familien angebracht, Schulen bedroht und jüdische Schüler in Europa gemobbt, bedroht oder körperlich angegriffen werden, dann zeigt sich ein Muster, das mit legitimer Israelkritik nichts mehr zu tun hat. Die Opfer dieser Angriffe sind nicht die IDF, nicht Netanyahu, nicht der Staat Israel. Es sind Juden – ganz normale Menschen im Alltag, die weder Politik gemacht noch Krieg geführt haben.

In zahlreichen Untersuchungen, etwa durch den EU-Antisemitismusbericht, das American Jewish Committee und deutsche Sicherheitsbehörden, wird immer wieder dokumentiert, dass der Großteil der heutigen antisemitischen Übergriffe nicht mit echter politischer Debatte zusammenhängt. Stattdessen werden globale Ereignisse in Israel zum Anlass genommen, um Juden in Europa, Nordamerika oder Australien zu attackieren, einzuschüchtern und öffentlich zu diffamieren.

Genau an dieser Stelle verschwimmt die Grenze zwischen Antizionismus und Antisemitismus.

Antizionismus wird in vielen Fällen zum Deckmantel, um jahrhundertealte Feindbilder zu aktualisieren und salonfähig zu machen. Es reicht schon, wenn jemand eine Kippa trägt oder eine jüdische Schule besucht, um zur Zielscheibe zu werden. Damit verliert das Argument „Wir sind nur gegen Israel“ jede Glaubwürdigkeit. Wer Juden angreift, weil Israel existiert, macht Juden kollektiv verantwortlich – und das ist die definitorische Essenz von Antisemitismus.

Ob auf Social Media, auf der Straße oder in Universitäten: Die Realität zeigt immer wieder, dass Antizionismus in seiner radikalisierten Form klassische antisemitische Muster reproduziert. Die Sprache, die Bilder, die Feindzuweisungen sind austauschbar mit jahrhundertealten Vorurteilen, nur dass sie heute in politischen Begriffen verpackt werden.

Wer also behauptet, nur die Politik Israels abzulehnen, aber gleichzeitig Juden weltweit angreift, hat den Antizionismus längst verlassen und ist im Antisemitismus angekommen.

7. Islamismus: politischer Judenhass mit religiösem Etikett

7.1 Was Islamismus ist

Islamismus ist kein uralter religiöser Zweig des Islam, sondern ein modernes politisches Machtprojekt. Er entsteht im 20. Jahrhundert als Antwort auf Kolonialismus, gesellschaftliche Krisen und den Zusammenbruch traditioneller Strukturen. Islamisten greifen auf religiöse Sprache und Symbole zurück, doch ihr Ziel ist nicht Spiritualität, sondern staatliche Kontrolle, gesellschaftliche Disziplinierung und die Errichtung eines totalitären Ordnungssystems.

Islamistische Ideologie basiert auf drei Grundelementen:

  • Verschmelzung von Religion und Staat, sodass politische Opposition als „Angriff auf den Glauben“ dargestellt wird,
  • Legitimation von Gewalt als angeblich verpflichtende religiöse Pflicht,
  • selektive Textnutzung, bei der historische Quellen aus ihrem Kontext gelöst und als universelle Kampfparolen missbraucht werden.

Damit unterscheidet sich Islamismus fundamental vom Islam als Religion. Er ist ein politisches Herrschaftsprojekt, das religiöse Elemente instrumentalisiert, um Kontrolle auszuüben und absolute Loyalität einzufordern.

7.2 Warum Islamisten Judenhass brauchen

Islamistische Bewegungen benötigen ein klares Feindbild, um sich selbst zu stabilisieren und ihre Basis zu mobilisieren. Ideologien, die auf totaler Kontrolle beruhen, funktionieren nur, wenn sie ständig eine äußere Bedrohung beschwören. „Die Juden“ – eine fiktive kollektive Einheit – und der Staat Israel bieten dafür aus islamistischer Sicht perfekte Projektionsflächen.

Der Nutzen dieser Feindbilder ist vielfältig:

  • Ein äußerer Feind vereint die eigene Anhängerschaft und lenkt von inneren Problemen ab.
  • Gewalt lässt sich als Verteidigung legitimieren, selbst wenn sie offensiv oder terroristisch ist.
  • Propaganda erhält maximale emotionale Wirkung, wenn sie historische oder religiöse Motive missbraucht.

Wichtig ist dabei: Nicht die Religion produziert den Hass, sondern die Ideologie benutzt die Religion als sprachliche Hülle. Islamisten greifen selektiv einzelne Quellen heraus, reißen sie aus dem historischen Zusammenhang und verkaufen sie als zeitlose Feindgebote. Tatsächlich dienen diese Narrative nur einem Zweck: Machtkonsolidierung.

7.3 Die Rolle des Israel-Konflikts

Der ungelöste israelisch-arabische Konflikt liefert ein ständiges Reservoir an Bildern, Emotionen und politischen Spannungen. Diese Realität wird von islamistischen Bewegungen systematisch instrumentalisiert. Obwohl der Konflikt ursprünglich ein säkular-nationaler Streit um Territorien, Staatlichkeit und Sicherheit war, reinterpretierten Islamisten ihn als kosmischen Religionskrieg.

Aus realen militärischen Auseinandersetzungen wird so ein mythischer Kampf zwischen „Gut und Böse“. Jedes tragische Bild, jede humanitäre Krise, jeder bewaffnete Zusammenstoß wird zu Propagandamaterial, das im islamistischen Weltbild religiös überhöht wird. Der Konflikt wird nicht erklärt oder differenziert dargestellt, sondern emotionalisiert, verzerrt und radikalisiert.

Das Ergebnis:

  • Die Legitimation islamistischer Gewalt steigt, weil sie als „Widerstand“ verkauft wird.
  • Der reale politische Konflikt wird religiös überfrachtet, was eine Lösung zusätzlich erschwert.
  • Juden weltweit werden zur Zielscheibe, obwohl sie mit dem Konflikt nichts zu tun haben.

Islamisten benötigen den Israel-Konflikt, um ihre Ideologie am Leben zu halten. Ohne das permanente Feindbild würde ihr Weltbild zusammenbrechen.

8. Psychologie: Demütigung, Opferrolle, Identität

8.1 Gefühl der Niederlage

Viele Gesellschaften im Nahen Osten wurden im 20. Jahrhundert von militärischen Niederlagen, politischer Instabilität, wirtschaftlicher Stagnation und autoritären Regimen geprägt. Diese Kombination erzeugt etwas, das Sozialwissenschaftler als kollektive Demütigung beschreiben. Wenn Staaten ihren Bürgern weder Sicherheit noch Wohlstand bieten, entsteht ein starkes Gefühl von Kontrollverlust und gesellschaftlicher Ohnmacht.

Solche Situationen begünstigen die Suche nach äußeren Schuldigen. Wut wird externalisiert, weil offene Selbstkritik – insbesondere in Diktaturen – gefährlich oder politisch unerwünscht ist. Stattdessen entsteht ein Narrativ, das nationale Probleme nicht als Ergebnis eigener Fehler, sondern als Ergebnis fremder Mächte deutet. Israel und „die Juden“ werden in diesem Muster zu Symbolen all dessen, was man selbst nicht erreicht hat.

Dieses Gefühl der Niederlage ist ein zentraler Motor politischer Radikalisierung. Wo kein Vertrauen in die eigenen Institutionen herrscht, gedeihen Verschwörungsmythen, Feindbilder und ideologische Ersatzidentitäten.

8.2 Die bequeme Opfererzählung

In vielen Staaten wurde über Jahrzehnte hinweg ein rhetorisches Muster kultiviert: „Wir sind die Opfer, die anderen sind schuld.“ Diese Erzählung wirkt auf den ersten Blick tröstlich, ist aber politisch hochwirksam. Sie schützt Machthaber vor Verantwortung, lenkt von innenpolitischen Versäumnissen ab und verhindert notwendigen gesellschaftlichen Wandel.

Statt sich mit Korruption, Misswirtschaft, fehlender Modernisierung oder politischer Repression auseinanderzusetzen, wird ein externer Gegner präsentiert. Die Opferrolle entlastet und stabilisiert gleichzeitig bestehende Herrschaftssysteme. Wer ständig äußere Schuldige benennt, muss keine Reformen einleiten und keine eigene Fehlerkultur entwickeln.

In diesem Umfeld werden Israel und Juden als perfekte Projektionsfläche genutzt: komplexe politische Probleme werden scheinbar erklärbar und moralisch aufgeladen. Das eigene Scheitern wird zum Ergebnis vermeintlicher Verschwörungen, nicht des eigenen Systems.

8.3 Identität durch Feindschaft

Wenn ein positiver Identitätskern fehlt – etwa durch politische Freiheit, wirtschaftliche Perspektiven oder gesellschaftliche Teilhabe – entsteht häufig eine negative Identität. Sie lautet: „Wir sind die, die gegen die Juden oder Zionisten kämpfen.“ Diese Form der Identität lebt von Abgrenzung, nicht von Selbstgestaltung.

Eine solche Identität ist politisch extrem stabil. Sie verlangt keine Vision, keine Reformen, keine Zukunftsstrategie. Alles, was nötig ist, ist ein gemeinsamer Feind. So wird Feindschaft zum zentralen Bindemittel ganzer politischer Narrative. Bewegungen, die sonst wenig anbieten könnten, sichern sich dadurch Zustimmung, Gefolgschaft und moralische Überhöhung.

Genau deshalb ist Feindschaft ein Kernbaustein vieler autoritärer und islamistischer Ideologien. Sie erzeugt Zugehörigkeit, ohne echte Perspektiven bieten zu müssen. Die politische Identität baut nicht auf Leistung, Fortschritt oder Freiheit auf, sondern darauf, wogegen man ist.

Dieses Muster erklärt, warum antisemitische Narrative so langlebig sind: Sie erfüllen eine Funktion. Sie schaffen Gemeinschaft, deuten die Welt, entlasten das eigene System und legitimieren politische Autorität, auch wenn sie auf Falschbehauptungen beruhen.

9. Muslime, die keinen Hass wollen

Bei aller berechtigten Kritik an islamistischen Narrativen und staatlicher Propaganda darf ein zentraler Punkt niemals untergehen: Die überwältigende Mehrheit der Muslime weltweit will keinen Hass, keinen Kampf gegen Juden und keinen religiös aufgeladenen Dauerfeind. Millionen Muslime leben seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten ganz selbstverständlich mit jüdischen Gemeinschaften zusammen – in Marokko, Tunesien, der Türkei, Teilen des Balkans, Zentralasien, Europa und Nordamerika.

In all diesen Regionen gibt es Alltag, Nachbarschaft, gemeinsame Arbeit, geteilte Räume und gegenseitigen Respekt. Zahlreiche muslimische Intellektuelle, Gelehrte und Aktivisten treten offen gegen Antisemitismus auf und betonen, dass Juden als „Leute der Schrift“ Teil derselben monotheistischen Tradition sind. Organisationen wie das Muslim Jewish Advisory Council in den USA oder lokale Dialoginitiativen in Europa zeigen, dass viele Muslime aktiv Brücken bauen.

Die Realität ist also weit differenzierter, als es die Schlagzeilen vermuten lassen. Die extremistischen Stimmen sind laut – und sie sind gut organisiert. Sie dominieren vielerorts die Straße, weil gemäßigte Menschen oft nicht die gleichen Mobilisierungsmechanismen besitzen. Und sie dominieren Teile der Medienlandschaft, weil Provokation, Radikalisierung und Konflikt mehr Aufmerksamkeit erzeugen als leiser Dialog.

Doch es sind nicht die Islamisten, die das alltägliche Zusammenleben prägen. Es sind die Millionen Muslime, die arbeiten, Familien gründen, ihren Glauben privat leben und keinen Hass auf Juden empfinden. Sie tauchen nur seltener in Nachrichten auf, weil Frieden kein Spektakel ist.

Gerade deshalb ist es wichtig, diese Mehrheit sichtbar zu machen. Sie zeigt, dass antisemitische Ideologien weder religiös unausweichlich noch kulturell vorgegeben sind. Sie sind das Ergebnis von Politik, Propaganda, Ideologie – nicht des Glaubens.

Wer also von „den Muslimen“ spricht, sollte genau unterscheiden:
zwischen jenen, die Hass predigen, und jenen, die ihn ablehnen. Letztere sind nicht nur zahlreicher, sie sind entscheidend für jede Zukunft ohne Feindbilder.

10. Wie man darüber reden kann, ohne selbst in Klischees zu rutschen

10.1 Hilfreiche Formulierungen

Man kann klar und fair sagen:

  • „Der Islam hat keinen eingebauten Befehl zum Judenhass.“
  • „Der moderne massenhafte Judenhass in Teilen der islamischen Welt ist historisch-politisch gewachsen, nicht religiös vorgegeben.“
  • „Antizionismus dient leider oft als Verpackung für alten Antisemitismus.“

10.2 Wichtige Trennlinien

  • Kritik an israelischer Politik oder arabischen Regimen ≠ Angriff auf Juden oder Muslime
  • Missbrauch religiöser Texte ≠ die Religion selbst
  • Antisemitismus ≠ legitime politische Kritik

10.3 Verantwortung klar benennen

Wenn man verstehen will, warum antisemitische Narrative im Nahen Osten und darüber hinaus so hartnäckig bestehen, muss man die Verantwortung ehrlich und klar benennen. Die Ursachen liegen nicht bei einem einzigen Akteur, sondern in einem Geflecht politischer Interessen, ideologischer Machtstrukturen und strategischer Feindbildpflege. Jede dieser Kräfte trägt ihren Anteil – in unterschiedlichem Ausmaß, aber mit spürbaren Folgen für ganze Gesellschaften.

Arabische Regime
Viele autoritäre Regierungen der arabischen Welt nutzten über Jahrzehnte bewusst antizionistische und antisemitische Rhetorik, um von inneren Problemen abzulenken. Korruption, wirtschaftliche Stagnation, Unterdrückung politischer Opposition – all das ließ sich leichter überdecken, wenn Israel oder „die Juden“ als äußere Bedrohung dargestellt wurden. Die staatlich gelenkte Opferrolle ersetzte echte Reformen und stabilisierte bestehende Machtstrukturen.

Islamistische Bewegungen
Bewegungen wie die Muslimbruderschaft, Hamas oder Hizb ut-Tahrir machten Judenhass zu einem ideologischen Kernbestandteil. Nicht, weil er theologisch zwingend wäre, sondern weil er sich hervorragend zur Mobilisierung, Manipulation und Machterhaltung eignet. Sie gaben dem importierten europäischen Antisemitismus einen religiösen Anstrich und verankerten ihn in politischen Narrativen, die bis heute Wirkung zeigen.

Iranische Führung
Das Regime der islamischen Republik Iran nutzt antisemitische Ideologie als geopolitisches Werkzeug. Die Vernichtungsrhetorik gegenüber Israel ist Staatsdoktrin, die innenpolitische Loyalität stärkt und außenpolitische Feinde definiert. Der Antisemitismus dient hier als ideologischer Kitt, der politische Machtansprüche religiös überhöht.

Westliche Politik
Auch der Westen trägt Verantwortung – wenn auch anders. Jahrzehntelange Realpolitik, unklare Signale, Fehleinschätzungen und das Ignorieren radikaler Ideologien haben extremistischen Kräften internationale Spielräume eröffnet. Dazu kommen teils naive Projektionen, wonach islamistische Akteure durch Zugeständnisse „gemäßigt“ würden, anstatt sie klar zu benennen und zu bekämpfen.

Religiöse Autoritäten
Einige Prediger und religiöse Institutionen griffen politische Feindbilder auf und gaben ihnen eine religiöse Farbe. Problematische Hadithe wurden aus dem Zusammenhang gerissen, historische Streitpunkte überzeichnet und moderne Konflikte als „ewige“ religiöse Pflicht stilisiert. Damit trugen sie zur Legitimierung von Hassnarrativen bei, die mit klassischer Theologie nur bedingt zu tun haben.

Das Ergebnis: Antisemitismus im modernen Nahen Osten ist kein Produkt der Religion, sondern eine politisch konstruierte, ideologisch verstärkte und historisch gewachsene Erzählung, die von vielen Seiten genährt wird. Wer verändern will, muss die Verantwortung benennen – offen, klar und ohne Ausreden.

11. Schlussfolgerung: Ist „Hass auf Juden“ Teil des Islam?

Nein. Weder historisch noch theologisch ist im Islam ein angeborener oder unvermeidbarer Hass auf Juden verankert. Was wir heute in Teilen der muslimischen Welt beobachten, ist das Ergebnis einer komplexen, tragischen und politisch erzeugten Gemengelage, die nur oberflächlich religiös wirkt, sich aber bei genauerer Betrachtung aus ganz anderen Quellen speist.

Der moderne Antisemitismus in einigen Regionen des Nahen Ostens ist keine Fortsetzung islamischer Tradition, sondern das Produkt einer fatalen Vermischung mehrerer Faktoren, die sich gegenseitig verstärkt haben.

1. Koloniale Zäsur und aufkommender Nationalismus
Der Zusammenbruch des Osmanischen Reiches, die Aufteilung des Nahen Ostens durch europäische Mächte und die Entstehung neuer Nationalstaaten führten zu tiefen sozialen Spannungen. In dieser Phase suchten viele Gesellschaften nach identitätsstiftenden Erzählungen – oft auf Kosten anderer Gruppen. Antisemitische Elemente wurden Teil dieser Identitätspolitik, obwohl sie vorher kaum existierten.

2. Nazi-Propaganda und ihre langfristige Wirkung
Der massive Einfluss von Haj Amin al-Husseini und anderen Akteuren führte dazu, dass europäischer Vernichtungsantisemitismus erstmals systematisch arabisiert wurde. Hitlers Ideologie verschmolz mit regionalen Konflikten und prägte die politische Kultur über Generationen hinweg – nicht als religiöse Lehre, sondern als importierte Ideologie.

3. Kriegstraumata, Vertreibung und kollektive Verletzungen
Die Kriege von 1948, 1967 und 1973 sowie die Flucht und Vertreibung vieler Palästinenser erzeugten tiefsitzende Traumata. In solchen Situationen entstehen Feindbilder schnell, weil sie komplexe Katastrophen emotional erklärbar machen. Diese Traumata wurden später politisch instrumentalisiert und zu dauerhaften Narrativen geformt.

4. Autoritäre Regime ohne Selbstkritik
Viele Regierungen unterdrückten jede Form interner Reform oder Kritik. Stattdessen bot sich ein externer Sündenbock an: Israel oder „die Juden“. Diese Strategie lenkte von Korruption, wirtschaftlichem Versagen und fehlender Modernisierung ab. Die Opferrolle ersetzte Verantwortung.

5. Islamistische Ideologie und systematische Propaganda
Gruppen wie Hamas, Hisbollah oder die Muslimbruderschaft transformierten politische Konflikte in religiös aufgeladene Mythen. Sie nutzten selektiv Koranverse und Hadithe, rissen sie aus dem historischen Kontext und verschmolzen sie mit importiertem Antisemitismus, um einen ewigen Feind zu inszenieren. Das Ergebnis ist keine Religion, sondern eine Ideologie.

6. Fehlende Bildung, Zensur und mangelhafte Aufklärung
In vielen Ländern zirkulieren Schulbücher und Medien, die stereotype Judenfeindlichkeit reproduzieren. Ohne offenen Diskurs, kritisches Denken und historisches Wissen entsteht ein Nährboden, in dem Feindbilder gedeihen, weil Alternativen fehlen.

Der entscheidende Punkt

Der Islam bietet – wie jede Weltreligion – Textmaterial, das man für Frieden oder für Hass instrumentalisieren kann. Der Koran enthält sowohl Verse über gemeinsame Werte mit Juden als auch Passagen, die politische Konflikte der Spätantike widerspiegeln. Entscheidend ist nicht der bloße Text, sondern:

  • wer ihn liest,
  • in welchem historischen Moment,
  • unter welchem politischen Einfluss,
  • und mit welchem Zweck.

Antisemitismus, wie wir ihn heute in Teilen der muslimischen Welt sehen, ist daher kein religiöses Erbe, sondern ein politisch erzeugtes Konstrukt. Es ist veränderbar, es ist nicht essenziell und es ist nicht islamisch. Es ist das Ergebnis einer Katastrophenkombination aus Trauma, Ideologie, Machtpolitik und fehlender Aufklärung.

Wer über den Islam spricht, sollte daher unterscheiden zwischen Religion, Geschichte und politischer Instrumentalisierung. Nur dann lässt sich der heutige Hass verstehen – und überwinden.

Fakten- und Quellenarchiv 🎯
https://en.wikipedia.org/wiki/Dhimmi
https://katz.sas.upenn.edu/resources/blog/what-do-you-know-dhimmi-jewish-legal-status-under-muslim-rule
https://www.jewishvirtuallibrary.org/the-treatment-of-jews-in-arab-islamic-countries
https://www.alhakam.org/is-islam-antisemitic-a-brief-study-in-quran-and-hadith
https://en.wikipedia.org/wiki/People_of_the_Book
https://myislam.org/quran-verses/people-of-the-book
https://encyclopedia.ushmm.org/content/en/article/hajj-amin-al-husayni-wartime-propagandist
https://en.wikipedia.org/wiki/Amin_al-Husseini
https://www.hoover.org/research/mufti-and-holocaust
https://www.inss.org.il/publication/islamist-antisemitism
https://www.cambridge.org/core/books/cambridge-companion-to-antisemitism/new-islamic-antisemitism-mid19th-to-the-21st-century/6532DD72D3493076A8FEBE48549CC81C
https://en.wikipedia.org/wiki/Gharqad
https://sunnah.com/bukhari:2926
https://www.historytoday.com/archive/path-peace-muslims-and-jews
https://www.reviewofreligions.org/44881/jewish-and-muslim-co-existence
https://www.soundvision.com/article/muslims-and-jews-a-historical-surprise
https://www.ushmm.org/antisemitism/what-is-antisemitism/why-the-jews-history-of-antisemitism
https://extremism.gwu.edu/antisemitism-middle-east
https://www.cambridge.org/core/books/antisemitism-and-its-metaphysical-origins/islamic-jihadism-religious-fanatic-antisemitism/E78031F7835A32007C501DBFEAF144F0
https://academic.oup.com/ahr/article-abstract/123/4/1172/5114705
https://www.mdpi.com/2077-1444/15/12/1470
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https://assets.press.princeton.edu/chapters/p10098.pdf
https://www.jstor.org/stable/j.ctt3fgz64
https://www.amazon.com/Islamic-Antisemitism-Middle-Studies-Contemporary/dp/1032437766
https://en.wikipedia.org/wiki/The_Legacy_of_Islamic_Antisemitism
https://guides.library.ucla.edu/c.php?g=1418709&p=10515772
https://www.inss.org.il/publication/jews-on-study-books
https://www.mdpi.com/2077-1444/10/7/415

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