🔵 Hasbara wird oft in einen Topf mit Propaganda geworfen, aber das ist ungefähr so sauber gedacht wie „alle Ärzte sind Quacksalber, weil es auch Scharlatane gibt“.
Solche Gleichsetzungen wirken auf den ersten Blick clever, funktionieren aber nur, wenn man die Begriffe bis zur Unkenntlichkeit verwischt. Wer wirklich verstehen will, wie politische Kommunikation funktioniert – besonders im Kontext Israel – muss die Schichten sauber voneinander trennen.
Und genau das machen wir jetzt: präzise, nachvollziehbar und gründlich.
Was Hasbara wirklich bedeutet – und was nicht
Das Wort Hasbara kommt vom hebräischen Verb „lehasbir“, das schlicht „erklären“ bedeutet. Nicht emotionalisieren, nicht überreden, nicht manipulieren. Erklären. Im israelischen Kontext bedeutet Hasbara: die politischen, historischen, sicherheitsrelevanten und rechtlichen Hintergründe zu erklären, die Israels Handlungen beeinflussen oder notwendig machen.
Sie bezieht sich auf reale, überprüfbare Grundlagen:
- historische Entwicklungen
- offizielle Dokumente
- tatsächliche Bedrohungslagen
- internationale Rechtsgrundlagen
- authentische Zeugenaussagen
- verifizierbare Ereignisse
Hasbara ist also keine PR-Show, sondern der Versuch, Komplexität verständlich zu machen – in einer Welt, die lieber in Schwarz-Weiß-Bildern denkt.
Der Kern von Hasbara ist Kontext. Und Kontext ist die natürliche Feindin aller vereinfachten Parolen.
Was Propaganda dagegen tut – Propaganda verfolgt ein diametral entgegengesetztes Ziel. Sie will nicht erklären – sie will überzeugen, lenken, emotionalisieren. Sie setzt nicht auf Verständnis, sondern auf Reflexe.
Propaganda arbeitet nicht mit „Hier ist das Material, prüfe es selbst“, sondern mit: „Ich gebe dir ein Gefühl – und du sollst es glauben.“
Ihre Werkzeuge sind altbekannt, aber effektiv:
- Auslassen relevanter Informationen
- Übertreiben einzelner Aspekte
- Zurechtschneiden von Sequenzen
- Kontextverschiebung
- Bilder aus anderen Ländern als „aktuelles Material“ verkaufen
- Emotionalisierung statt Beweisführung
- Schlagworte statt Inhalte
- moralische Manipulation statt analytischer Klarheit
Propaganda möchte, dass du fühlst – nicht, dass du prüfst.
Ein Beispiel, das zeigt, wie grundverschieden beide Ansätze sind:
1. Historische Realität vor 1948
Wenn Hasbara erklärt, dass es vor 1948 keinen souveränen arabischen Staat „Palästina“ gab, dann ist das kein Versuch, eine Identität zu leugnen. Es ist ein historischer Fakt.
Das Gebiet war: – Teil des Osmanischen Reiches – danach britisches Mandatsgebiet
Aber nie ein Staat mit: – eigener Regierung – eigenen Grenzen – eigener Währung – internationaler Anerkennung
Diese Information ist kein politisches Statement – sie ist nachprüfbare Realität.
Propaganda würde daraus ein „zionistisches Narrativ“ machen. Doch die Archive sind eindeutig – britisch wie osmanisch.
2. Die Verbrechen vom 7. Oktober
Hasbara benennt die dokumentierten Verbrechen der Hamas: Vergewaltigungen, sexualisierte Folter, Verstümmelungen, Entführungen, Demütigungen.
Diese Taten sind: – forensisch belegt – medizinisch dokumentiert – durch Überlebende bezeugt – auf Video festgehalten – von internationalen Gremien bestätigt
Hasbara sagt: Das ist passiert – und es ist belegbar.
Propaganda versucht hingegen: – diese Taten zu relativieren – sie zu leugnen – oder sie als „israelische Erfindung“ abzutun.
Warum? Weil die Wahrheit das gewünschte Narrativ stört.
Wie Propaganda konkret arbeitet – Propaganda beginnt nicht mit Fakten, sondern mit einem Ziel. Und wenn das Ziel die maximal mögliche Empörung ist, dann reichen schon drei Schritte:
- Ein emotional extrem starkes Bild suchen – egal woher
- Eine Schlagzeile drüberlegen – egal ob faktisch falsch
- Verbreiten bevor jemand prüft
So entstehen Posts über angeblich „verhungernde Kinder in Gaza“, die in Wirklichkeit aus dem Jemen stammen. Oder Bilder von zerstörten Gebäuden, die in Wahrheit aus Syrien oder Irak stammen.
Das ist nicht „Ungenauigkeit“. Das ist Täuschung.
Ein anderes Werkzeug: schwere Begriffe ohne Prüfung inflationär benutzen.
- „Genozid“
- „Apartheid“
- „Kindermörder“
Diese Worte erzeugen sofortige Empörung – sind aber häufig juristisch falsch, faktisch unhaltbar und deshalb perfektes Propagandamaterial.
Die drei fundamentalen Unterschiede
1. Wahrheitsbezug
Hasbara: überprüfbare Fakten
Propaganda: Verdrehte oder erfundene Fakten
2. Transparenz
Hasbara: offene Perspektive – man weiß, aus welchem Kontext gesprochen wird
Propaganda: Tarnung – scheinbare Neutralität kaschiert politische Ziele
3. Zielsetzung
Hasbara: Verstehen ermöglichen, selbst wenn man nicht zustimmt
Propaganda: emotionale Reflexe auslösen – Wut, Empörung, Schuld, Angst
Warum diese Unterscheidung überhaupt wichtig ist
Weil politische Diskussionen sonst nicht mehr funktionieren. Wer Fakten und Manipulation gleichsetzt, macht jede Form von Aufklärung unmöglich.
Hasbara ist nicht perfekt. Sie kann zu defensiv sein, zu technisch, zu wenig pointiert. Aber sie basiert auf einem Prinzip: „Hier sind die Fakten. Prüfe sie.“
Propaganda basiert auf dem Gegenteil: „Hier ist das Gefühl. Berechne nicht, prüfe nicht, widersprich nicht.“
Konkret: Wenn „Narrative“ die Realität verdrängen
Wenn jemand die Zahlen des Gaza-Gesundheitsministeriums als „unantastbare Wahrheit“ bezeichnet – trotz:
- massiver statistischer Anomalien
- tausender fehlender Identitäten
- politisch motivierter Einflussnahme
- Widersprüche innerhalb der eigenen Listen
dann ist das kein „Gegengewicht“ zu Hasbara, sondern ein Narrativ mit blinden Flecken.
Wenn jemand ignoriert, dass Israel Zivilisten vor Angriffen warnt – telefonisch, per SMS, per Drohne, per Flugblatt – und trotzdem jede Explosion reflexartig als „gezielte Tötung von Kindern“ framed, dann ist das kein „kritischer Blick“, sondern Manipulation.
Hasbara sagt:
„Schau hin, lies nach, vergleiche.“
Propaganda sagt:
„Schau weg und wiederhol meinen Satz.“
⏫ Thanks to @thevoicetruth1 for the inspiration for this article. ⏫
