🔵 Netanyahus rote Linien: Warum für Israels Premier kein palästinensischer Staat in Frage kommt
Die Debatte über einen möglichen palästinensischen Staat flammt immer wieder auf, doch selten spricht ein israelischer Premier so unmissverständlich wie Benjamin Netanyahu in einem aktuellen Interview mit dem Telegram-Kanal „Abu Ali Express“. Seine Botschaft ist kompromisslos und klar: Für Israel wird es keinen souveränen palästinensischen Staat geben, selbst wenn damit eine historische Annäherung an Saudi-Arabien gefährdet wäre.
Diese Aussagen fallen in eine Phase, in der sich die Region nach Jahren von Konflikten und geopolitischen Verschiebungen neu sortiert. Was Netanyahu präsentiert, ist nicht nur ein politisches Statement, sondern ein sicherheitspolitisches Fundament, das für ihn nicht verhandelbar ist.
Ein Staat, der aus Netanyahus Sicht zu gefährlich wäre
Im Gespräch betont Netanyahu, dass ein palästinensischer Staat ein „existentielles Risiko“ für Israel darstelle. Seine Argumentation stützt sich auf jahrzehntelange Erfahrungen mit Terrorangriffen, Raketenbeschuss und Strukturen, die sich bewusst in der Nähe israelischer Städte festgesetzt haben.
Ein solcher Staat, so Netanyahu, könnte leicht unter die Kontrolle radikaler Gruppen geraten und damit zu einer permanenten Gefahrenquelle werden. Für die israelische Regierung ist das ein Szenario, das „nicht passieren wird“ – und das macht Netanyahu in diesem Interview deutlicher als je zuvor.
Saudi-Arabien: Ein historisches Angebot unter Bedingungen
Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman erklärte kürzlich, dass sein Land bereit wäre, den Abraham-Abkommen beizutreten. Doch daran knüpft Riad eine entscheidende Bedingung: eine glaubwürdige Perspektive auf eine Zwei-Staaten-Lösung.
Netanyahus Antwort darauf ist glasklar: Selbst diese historische Chance rechtfertige keine Abstriche an der israelischen Sicherheit. Ein Preis, den er nicht zu zahlen bereit sei.
Rafah und die letzten Geiseln: Ein weiteres Kapitel der Gaza-Krise
Netanyahu kündigt außerdem an, den Grenzübergang Rafah wieder zu öffnen, sobald Israel die verbleibenden drei verstorbenen Geiseln von der Hamas zurückerhält. Diese Frage ist seit Monaten eines der emotionalsten Themen der gesamten Krise.
Zudem betont er, dass jeder Bewohner Gazas künftig das Recht haben solle, über Rafah das Gebiet zu verlassen. Das ist ein Punkt, der ausdrücklich auch im US-Plan für Gaza erwähnt wird. Israel signalisiert damit, dass es Bewegungsfreiheit unterstützt, während Ägypten jede Form von „Vertreibung“ strikt ablehnt.
Syrien: Abkommen erwünscht, aber nicht um jeden Preis
Nur einen Tag vor dem Interview besuchte Netanyahu die IDF-Pufferzone in Südsyrien. Dort unterstrich er, dass ein Sicherheitsabkommen mit Damaskus wünschenswert wäre, Israel jedoch keine Kompromisse bei Grenzschutz oder dem Schutz der drusischen Minderheit eingehen werde.
Ob Syriens Führung zu einem solchen Abkommen bereit ist, bleibt offen. Doch Netanyahu macht klar: Die israelischen Kernprinzipien gelten unabhängig von syrischen Entscheidungen.
Türkei: Ein schwieriger regionaler Akteur
Auch die Beziehung zur Türkei bleibt angespannt. Scharfe antiisraelische Rhetorik aus Ankara und die zunehmende regionale Einflussnahme der Türkei haben die Beziehungen in den vergangenen Jahren belastet.
Israel habe mehrfach verhindert, dass die Türkei militärisch näher an die israelische Grenze rücke. Gleichzeitig gebe es Gespräche jenseits der Schlagzeilen, um Eskalationen zu vermeiden. Doch Netanyahu betont: „Wir werden unsere militärische Überlegenheit nicht aufgeben.“
Unabhängige Rüstungsproduktion: Weniger Abhängigkeit vom Ausland
Ein weiterer Schwerpunkt des Interviews betrifft die Zukunft der israelischen Verteidigungsindustrie. Netanyahu spricht von einem langfristigen Projekt, Israel deutlich unabhängiger von ausländischen Waffenlieferungen zu machen.
Ziel ist es, eine weitgehend eigene Munitions- und Waffenproduktion aufzubauen, um Lieferengpässe und politische Abhängigkeiten zu vermeiden. Diese Strategie basiert auf einer Lehre, die Israel mehrfach schmerzhaft erfahren musste: In kritischen Momenten muss die eigene Verteidigung gesichert sein.
Haredi-Wehrpflicht: Ein historischer Umbruch?
Zum Abschluss spricht Netanyahu über sein Vorhaben, künftig mehr ultraorthodoxe Männer in die Armee zu integrieren. Innerhalb von drei Jahren sollen 17.000 Haredim in den Dienst treten. Das wäre ein echter Paradigmenwechsel.
Doch die Umsetzung hängt wesentlich von der Haltung der Rabbiner und der ultraorthodoxen Gemeinschaft ab. Gleichzeitig betont die IDF die Dringlichkeit: Aufgrund des Gaza-Krieges und zunehmender Herausforderungen braucht die Armee mehr Personal denn je.
Ein Interview mit politischer Sprengkraft
Die Aussagen Netanyahus markieren eine klare sicherheitspolitische Standortbestimmung. Sie zeigen ein Israel, das geopolitische Chancen zwar sieht, aber nur unter Bedingungen akzeptiert, die vollständig mit der eigenen Sicherheit vereinbar sind.
Ob man diese Positionen teilt oder nicht, eines steht fest: Dieses Interview sendet ein klares Signal in eine Region, die sich mitten im Wandel befindet.
